Markt – Trends & Branchenentwicklungen

Jahrelang war das E-Bike als Fortbewegungsmittel für ältere Menschen und Senioren verpönt, heute gehört es zu den Verkaufsschlagern der Fahrradindustrie und gilt als Wachstumstreiber der Branche. Auch 2020 war der Run auf die motorisierten Fahrräder groß und verschaffte der Fahrradindustrie neue Rekordzahlen.

Mountainbiker mit E-Mountainbike genießt den Ausblick auf die Berge.
© Andrey Popov, stock.adobe.com
E-Bikes sind die Wachstumstreiber der Fahrradindustrie.

In Deutschland gehört das Fahrrad zu den beliebtesten Fortbewegungsmitteln. 44 % der Bevölkerung nutzen es regelmäßig, etwa als Verkehrsmittel auf dem Weg zur Arbeit, Ausbildung oder Schule, als Sportgerät oder zur Erkundung von Flur und Fauna. Dies spiegelt sich auch im deutschlandweiten Bestand wider. Nach Schätzung des Zweirad-Industrie-Verbandes (ZIV) lag dieser (inkl. E-Bikes) im Jahr 2020 bei 79,1 Mio. Stück und kam somit auf ein Plus von gut 4,22 % gegenüber dem Vorjahr, ein fortlaufend positiver Trend, der sich nach Meinung der Experten auch in Zukunft fortsetzen dürfte.

Begründet liegt diese Entwicklung vor allem in dem sich ändernden Umweltbewusstsein der Bevölkerung und einem gesteigerten Maß an Flexibilität, gerade im Hinblick auf überfüllte Innenstädte und fehlende Parkmöglichkeiten für Kfz. Außerdem spielen die Themen Gesundheit und Kostenersparnis für viele eine große Rolle und geben den Ausschlag für eine regelmäßigere Nutzung des Zweirades. Zumal es inzwischen steuerrechtlich zulässig ist, ein hochwertiges Fahrrad oder E-Bike als Dienstfahrzeug vom Arbeitgeber gestellt zu bekommen, und günstige Dienstfahrrad-Leasing-Angebote den Kauf eines hochwertigen Fahrrades attraktiver gestalten.

Die Fahrradindustrie als Gewinner der COVID-19-Pandemie

So erwirtschaftete die Branche mit dem Verkauf von Fahrrädern und E-Bikes allein im vergangenen Jahr rund 6,44 Mrd. Euro. Das entspricht einem Zuwachs von gut 61 % gegenüber 2019. Hinzu kommen weitere Umsätze aus dem Geschäft mit Fahrradzubehör und -komponenten, wonach der ZIV den Gesamtumsatz der Fahrradindustrie und all ihrer Vertriebswege für das Jahr 2020 auf circa 10 Mrd. Euro bezifferte.

Ursächlich hierfür war zum einen die wachsende Nachfrage nach hochwertigeren Fahrrädern und die steigende Bereitschaft, mehr Geld in qualitativ hochwertige Komponenten und Sicherheitsausstattung zu investieren. Denn im Schnitt gaben die Deutschen rund 1.279,00 Euro für ein neues Fahrrad aus (+ 37,67 %).

Zum anderen ist das überaus positive Ergebnis aber auch auf die besondere Situation vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie zurückzuführen, die das Konsum-, Fortbewegungs- und Freizeitverhalten der Menschen entscheidend beeinflusste. Dadurch sah sich die Branche mit einer enormen Nachfrage und einem unvorhersehbaren Boom konfrontiert, der die vorherigen Erwartungen weit übertraf. Trotz Shutdowns, gestörten Lieferketten, Ladenschließungen und Hygieneauflagen gehörte die Fahrradindustrie damit als eine der wenigen zu den Gewinnern der Pandemie.

Wachstumstreiber E-Bike

Wachstumstreiber der Branche waren wie in den vorangegangenen Jahren vor allem motorisierte Fahrräder bzw. Pedelecs. Im Vergleich zu klassischen Fahrrädern sind sie in der Regel zwar kostspieliger, bieten ihren Nutzern aber mehr Spielräume und ermöglichen es ihnen, in kürzerer Zeit weite Strecken zurückzulegen. E-Bikes eignen sich daher auch hervorragend als Ergänzung zum oder Ersatz des eigenen Pkw und erfreuen sich inzwischen über sämtliche Altersklassen hinweg zunehmender Beliebtheit.

Besaßen Anfang 2015 beispielsweise nur 1,5 Mio. Privataushalte in Deutschland ein oder mehrere Elektrofahrräder, hat sich deren Anzahl mit 4,3 Mio. Haushalten zum Jahresbeginn 2020 binnen 5 Jahren annähernd verdreifacht, so das Statistische Bundesamt. Damit kam ungefähr jeder neunte Haushalt zum Start des Vorjahres auf mindestens ein E-Bike.

Nach Berechnungen des ZIV bewegten sich Ende 2020 bereits 7,1 Mio. Elektrofahrräder auf den deutschen Straßen. Bezogen auf den gesamtdeutschen Fahrradbestand entspricht das einer Quote von gut 31 %.


Graphik nach Angabe ZIV.
2020: Anteil verschiedener Modelle
am gesamten E-Bike-Verkauf.

Seinen Imagewandel hat das Zweirad dabei nicht zuletzt der ständig wachsenden Angebotsvielfalt zu verdanken. Waren E-Antriebe vor einigen Jahren noch überwiegend in klassischen Fahrradmodellen zu finden, sind mittlerweile fast alle mit Motorisierung erhältlich; seien es Trekking-Bikes, Mountainbikes, City-Bikes, Lastenfahrräder oder sogar Renn- und Jugendfahrräder. Das spricht auch jüngere Zielgruppen an, die Wert auf Qualität, Design und Funktionalität legen.

Den durchschlagenden Erfolg der Elektrofahrräder belegen nicht zuletzt die Verkaufszahlen: Bei 1,95 Mio. der insgesamt 5,04 Mio. Fahrräder, die 2020 verkauft wurden, handelte es sich um E-Bikes. Die Sparte kam somit auf eine Zuwachsrate von herausragenden 43,4 % und einen Marktanteil von 38,7 % – gegenüber 31,5 % im Jahr 2019. Bei 5,1 Mio. verkauften E-Bikes in Europa, die Schweiz eingeschlossen, gehört Deutschland damit neben den Niederlanden europaweit mit Abstand zu den größten Absatzmärkten von Elektrofahrrädern.

Ausblick

Der ZIV geht davon aus, dass sich dieses Bild in den kommenden Jahren noch weiter zugunsten der E-Bikes verschieben wird. Der Branchenverband prognostiziert dem Segment einen kurzfristigen Anstieg des Marktanteils auf 40 %. Auf mittlere bis lange Sicht ist sogar ein Wachstum auf 50 % denkbar.

Das Geschäft mit den motorisierten Fahrrädern birgt somit nicht nur für den stationären Einzel- sowie den Onlinehandel enorme Potenziale, sondern – gepaart mit dem weltweit wachsenden Interesse an E-Bikes „Made in Germany“ – auch für den Produktionsstandort Deutschland. Denn während die Fahrradproduktion in den letzten Jahren zunehmend ins Ausland ausgelagert wurde, nimmt die innerdeutsche Produktion von Elektrofahrrädern stetig zu (zuletzt: + 27,9 %).

Aber auch andere Branchen profitieren indirekt vom E-Bike-Boom und machen Investitionen in Ladeinfrastruktur, abschließbare Unterbringungsmöglichkeiten und moderne Radweginfrastruktur sinnvoll. So verzeichnete etwa auch der Fahrrad-Tourismus in den letzten Jahren ein zunehmendes Wachstum und kam in 2020 auf 464 Mio. Tagesausflüge und 64 Mio. Tagesausflüge im Urlaub (+ 40 %).

Bund und Länder jedenfalls haben das Potenzial von E-Bikes und Pedelecs bereits erkannt und bieten beispielsweise Zuschüsse für die Anschaffung von Lastenfahrrädern und -anhängern mit E-Antrieb im gewerblichen Kontext oder für den Ausbau öffentlicher Fahrradwege.


Quellen

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