Know-how - Das Einmaleins der Förderwelt

Kein Unternehmen, das nicht schon einmal auf ihn zurückgegriffen hätte: Der Kontokorrentkredit. Gedacht ist er für kurzfristige Überbrückungen in Betriebsmittelfragen. Doch oft werden die Verbindlichkeiten später nicht bedient und das Konto verbleibt im Minus. Hier lauert eine teure Kostenfalle, die jeder Unternehmer genau kennen sollte.

Männerarm auf Tisch gestützt, davor Taschenrechner, Stift in Hand, an der Seite Notebook.
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Eine Finanzierung via Kontokorrentkredit kann schnell zum Problem werden.

Grundlagen

Das komplizierte Wort Kontokorrentkredit ist eigentlich leicht erklärt: Ein Kontokorrent (lat. computāre: berechnen und currere: laufen) stellt zunächst die übliche Abwicklungsmethode zwischen Gläubiger und Schuldner dar, in der die Verbindlichkeiten laufend verrechnet werden. Hierzu bieten die Banken die Dienstleistung eines Bankkontokorrents an, z. B. das von beinahe allen geschäftsfähigen Menschen in unserem Land genutzte Girokonto. Auch hier werden Zahlungsein- und ausgänge laufend verrechnet und das Konto bleibt fast tagesaktuell.

Doch was passiert, wenn sich die Zahlungseingänge einmal verzögern, Verbindlichkeiten (z. B. Lohnzahlungen) sofort bedient werden müssen? Hier kommt der Kontokorrentkredit ins Spiel. Er basiert einesteils auf den Darlehensbestimmungen § 355 HGB, andernteils auf dem mit der Bank geschlossenen Girovertrag. Dieser regelt die genauen Konditionen, darunter auch die Zinsen. Die Kreditlinie, der Rahmen also des flexibel zur Verfügung stehenden Kredits, wird von der Bank anhand der aus der Kontoverwaltung erkennbaren Bonität eingeräumt.

Wieso Gefahr?

Wer kurzfristig, also höchstens einige Wochen einen Engpass überbrücken will, ist mit dem Kontokorrentkredit hervorragend bedient, zumal wenn die Zahlungseingänge zum Ausgleich bereits vertraglich fixiert und damit zu erwarten sind. Hierfür ist der Kontokorrentkredit gedacht.

Geht es jedoch um mittel- oder gar langfristige Finanzierungen, um eine monate- oder gar jahrelange Inanspruchnahme des Kontokorrentkredits, zahlt das Unternehmen im Vergleich zu anderen Finanzierungsarten kräftig drauf. Oft bewegen sich die Zinssätze hier nämlich im zweistelligen Bereich. Und bei der Ausweisung der Zinsberechnung ist die unangenehme Überraschung groß. Zudem beeinflusst eine dauerhafte Inanspruchnahme des Kontokorrentkredits das Rating eines Unternehmens negativ.

Was tun?

Gerade im unternehmerischen Zusammenhang stehen zahlreiche Möglichkeiten zu Verfügung, die ein Fachmann auf die Situation anwenden kann. Zwar gilt für fast alle Förderprogramme, dass die Antragsstellung vor der Umsetzung erfolgen muss. Allerdings finden sich insbesondere für Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU) verschiedene, auf beinahe alle denkbaren Situationen passende Finanzierungsmöglichkeiten.

Wichtig ist, die Gefahr der „Schuldenfalle“ Kontokorrentkredit frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen. Wer sich an „das Sitzen im Minus“ gewöhnt, wird es auch aus psychologischen Gründen immer schwerer haben, eine andere Finanzierung in Angriff zu nehmen.

Deswegen gilt generell: den Kontokorrentkredit sollte nur nutzen, wer auf die absehbare Zeit weniger Wochen wieder in ein stabiles Plus kommen wird. Für alle anderen empfiehlt sich von vornherein die Inanspruchnahme eines dem Bedarf entsprechenden Förderprogramms oder -pakets. Dies mag gegenüber dem flexiblen Kontokorrentkredit auf den ersten Blick unattraktiv erscheinen, lohnt aber die Mühen bereits auf mittlere Sicht.

Quellen

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