Know-how - Das Einmaleins der Förderwelt

Möchte ein Unternehmer investieren, stellen zinsgünstige Förderdarlehen eine optimale Lösung dar. Kredite sind jedoch an gewisse Verpflichtungen gebunden. Kann ein Kreditnehmer das Darlehen etwa nicht zurückzahlen, muss er die gestellten Sicherheiten der Hausbank überlassen. Diese wiederum haftet ihrerseits gegenüber der Vergabestelle. Durch eine Haftungsfreistellung kann das Risiko für die Hausbank jedoch deutlich reduziert werden.

Rettungsring für die Finanzierung: Eine Haftungsfreistellung reduziert das Risiko bei den Hausbanken
© HNFOTO, Fotolia.com
Eine Haftungsfreistellung ermöglicht oft erst eine Finanzierung.

Der Grund für dieses „Haftungs-Wirrwarr“ ist das sog. Hausbankenprinzip. Es besagt: Förderdarlehen können nicht direkt bei der Vergabestelle beantragt werden. Die Antragsstellung muss bei der Hausbank erfolgen, die im Anschluss auch den Kredit verwaltet. Dabei ist die Bezeichnung Hausbank jedoch nicht zwingend mit der eigenen Bank, zu der bereits Geschäftsbeziehungen bestehen, gleichzusetzen. Der Fördermittel-Interessierte kann jede regionale Sparkasse, Volks- und Raiffeisenbank oder private Geschäftsbank aufsuchen, um sich dort beraten zu lassen und einen Antrag zu stellen.

Wird der Antragstellung nach Durchsicht und positiver Bewertung aller Unterlagen stattgegeben, leiht sich die Hausbank die beantragten Gelder bei der entsprechenden Vergabestelle und leitet sie an den Kreditnehmer durch. Ist dieser allerdings nicht in der Lage den Kredit zurückzuzahlen und geht insolvent, haftet er gegenüber der Hausbank und muss ihr seine gestellten Sicherheiten überlassen. In einem solchen Fall werden die Sicherheiten von Seiten der Bank veräußert, um das Darlehen zumindest teilweise zu tilgen. Gleichzeitig haftet sie gegenüber der Vergabestelle in vollem Umfang, d.h. über die komplette Kreditsumme.

Daher sind Förderdarlehen immer mit einem gewissen Risiko für die Hausbanken verbunden. Das wiederum führt oftmals dazu, dass den Unternehmern die Finanzierungsmöglichkeit ihres Vorhabens über öffentliche Mittel nicht unterbreitet wird.

Eine Motivation für die Hausbanken, ihren Kunden finanzielle Mittel in Form von Förderdarlehen zur Verfügung zu stellen, bietet die Anwendung des risikogerechten Zinssystems. Dieses ermöglicht es der Hausbank, die Zinshöhe unter Einbeziehung der Bonität und der Werthaltigkeit der gestellten Sicherheiten individuell angepasst an die wirtschaftlichen Verhältnisse des Unternehmens festzulegen. Zudem profitieren die Hausbanken zum Großteil vom Erlös der gezahlten Zinsen.

Auch die Haftungsfreistellung reduziert das Risiko für die Hausbanken und steigert deren Bereitschaft, öffentliche Fördermittel im Rahmen von Förderdarlehen an die Unternehmer weiterzuleiten.

Ein Beispiel: Der KfW-Unternehmerkredit kann auf Wunsch mit einer Haftungsfreistellung von 50 % beantragt werden. Erhält der Unternehmer die Zusage, kommt den Zahlungsaufforderungen ab einem gewissen Zeitpunkt aber nicht mehr nach, teilen sich Vergabestelle und Hausbank die Haftung zu gleichen Teilen.

Die Haftungsfreistellung und somit die Risikoübernahme bzw. -umverteilung auf Hausbank und Vergabestelle erhöht somit die Chancen eines Unternehmers deutlich, von der Hausbank ein Förderdarlehen zu erhalten - auch mit schwächerer Bonität und geringen Sicherheiten.

In manchen Fällen sind Förderprogramme sogar mit einer Haftungsfreistellung von bis zu 80 % verknüpft. Dazu gehört beispielsweise der ERP-Gründerkredit – StartGeld der KfW.

Daneben ändert sich für den Unternehmer durch eine Haftungsfreistellung nichts. Im Insolvenzfall ist er weiterhin dazu verpflichtet, die gestellten Sicherheiten der Hausbank zu überlassen. Der Erlös wird nun allerdings zwischen Hausbank und Förderinstitut aufgeteilt.

Quellen

Interviews

"Es kommt sehr selten vor, dass wir Unternehmen haben, die nicht innovativ sind"

Klaus Weiler und Sandra Schmidt (EIB)

Interview - Sandra Schmidt von der Europäischen Investitionsbank

Die Europäische Investitionsbank hat zahlreiche Förderschwerpunkte. Darunter auch Innovation und Wissen. Wann ein Unternehmen jedoch als innovativ gilt und welche innovativen Projekte die EIB bereits angestoßen hat, darüber spricht Klaus Weiler mit Sandra Schmidt im Interview.

"Ein EIB-Darlehen hat eine hohe Signalwirkung"

Sandra Schmidt (EIB) und Klaus Weiler

Interview - Sandra Schmidt von der Europäischen Investitionsbank

Die Europäische Investitionsbank, kurz EIB, gehört zu den wichtigsten Vergabestellen unserer Zeit. Welche Finanzierungsmöglichkeiten jedoch bietet sie KMU, Mid Caps und großen Unternehmen und was müssen Antragsteller beachten? Darüber spricht Klaus Weiler mit Sandra Schmidt im Interview.

"So können wir eine gute Breitenwirkung erzielen"

Sandra Schmidt (EIB) und Klaus Weiler
Interview Förderlandschaft - Sandra Schmidt von der Europäischen Investitionsbank

Als größte multilaterale Anleiheemittentin und Darlehensgeberin der Welt gehört die Europäische Investitionsbank, kurz EIB, zu den wichtigsten Vergabestellen unserer Zeit. Was die EIB im Besonderen auszeichnet, darüber spricht Klaus Weiler mit Sandra Schmidt im Interview.

Mit Fördermitteln ist alles möglich: Die Finanzierung von Betriebsmitteln

Unter einer Betriebsmittelfinanzierung werden zahlreiche Vorhaben zusammengefasst.
Interview - Klaus Weiler vom BvdFB

Betriebsmittel sind das A und O für die Existenz von Unternehmen. Können Gelder für Lohnkosten, Miete oder zur Auftragsvorfinanzierung nicht mehr aufgebracht werden, bedeutet dies das sichere Aus. Über Möglichkeiten der Betriebsmittelfinanzierung haben wir deshalb mit Klaus Weiler, Finanzwissenschaftler und Vorstandssprecher des BvdFB, gesprochen.

"Investition in Bildung bedeutet Investition in die Zukunft"

Klaus Weiler im Interview mit Bernd Kummerow von der NRW.BANK
Interview Förderlandschaft - Bernd Kummerow von der NRW.BANK

Als Förderbank von Nordrhein-Westfalen bietet die NRW.BANK zahlreiche Förderinstrumente - auch für Kommunen. Welche sie diesen zur Verbesserung der kommunalen Schulinfrastruktur zur Verfügung stellt, darüber spricht Klaus Weiler mit Bernd Kummerow im Interview. 

"Wir bereiten Unternehmen für ihr Auslandsengagement vor"

Klaus Weiler im Interview mit Verena Würsig von der NRW.BANK
Interview Förderlandschaft - Verena Würsig von der NRW.BANK

Als Förderbank des Landes NRW bietet die NRW.BANK eine große Zahl von Förderinstrumenten. Welche Förderungen aber stehen auslandsinteressierten Unternehmen zur Verfügung? Darüber spricht Klaus Weiler mit Verena Würsig im Interview.

"Unsere Bürgschaft bringt den Stein ins Rollen"

Klaus Weiler mit Manfred Lamers im Interview

Interview Förderlandschaft - Manfred Lamers von der Bürgschaftsbank NRW

Als Selbsthilfeeinrichtung der Wirtschaft unterstützt die Bürgschaftsbank NRW mittelständische Unternehmen mit Sitz in Nordrhein-Westfalen. Aber für welchen Zweck ist die Bürgschaftsbank der richtige Ansprechpartner und was muss man bei einer Antragstellung beachten? Unter anderem darüber spricht Klaus Weiler mit Manfred Lamers.

Feedback

Wir freuen uns über Ihr Feedback