Know-how - Das Einmaleins der Förderwelt

In den Augen der Banken kommt der Eigenkapitalquote bei der Kreditvergabe eine zentrale Bedeutung zu. Eine Möglichkeit, die Eigenkapitalbasis von Unternehmen zu stärken, sind Mezzanine-Finanzierungen. Was genau ist Mezzanine-Kapital, für wen kommt es in Frage und welche Bedeutung hat es in der Förderlandschaft?

Auf einem Kreditvertrag und einem Bündel von mehreren Hundert-Euro-Scheinen steht ein Stempel mit der Aufschrift Bonität
©Stadtratte, Fotolia.com
Mezzanine-Kapital hebt die Bonität und ermöglicht weitere Kreditaufnahmen.

Die Bedeutung der Eigenkapitalquote

Die Globalisierung und die Entwicklung der Finanzmärkte haben die Risikostrukturen einer Kreditfinanzierung deutlich verändert. In der Folge setzte die Europäische Union die Eigenkapitalvorschriften des Basler Ausschuss für Bankenaufsicht um (Basel II ab 2007 und Basel III ab 2013).

Seither sind die Banken im Rahmen einer Risikoanalyse dazu angehalten, die Kreditwürdigkeit und Bonität der kapitalsuchenden Unternehmen anhand einer Ratingskala zu ermitteln. Eine zentrale Kennziffer stellt hierbei die Eigenkapitalquote (Eigenkapital im Verhältnis zum Gesamtkapital x 100) dar.

An ihr lässt sich die Stabilität und Unabhängigkeit eines Unternehmens ablesen. Aus Bankensicht reduziert eine hohe Eigenkapitalquote die Ausfallwahrscheinlichkeit von Kreditrückzahlungen, weil ein Unternehmen mit den Eigenmitteln mögliche Verluste im operativen Geschäft ausgleichen kann. Für Unternehmer bedeutet eine hohe Eigenkapitalquote daher eine verbesserte Kreditwürdigkeit und einen Zugang zu weiterem Fremdkapital.

Obwohl sich die Eigenkapitalquoten deutscher Unternehmen seit Jahren verbessern, klagen gerade kleine- und mittelständische Unternehmen (KMU) über eine anhaltende Kreditklemme. Mezzanine-Finanzierungen stellen ein geeignetes Mittel dar, die Eigenkapitalbasis zu stärken und bislang verhinderte Investitionsvorhaben endlich anzupacken.

Mezzanine-Finanzierung als Alternative

Mezzanine spielt dem Namen nach auf die italienische Architektur an, in der mit dem Begriff ein Zwischengeschoss bezeichnet wird. In diesem Sinne nehmen die Mezzanine genannten Finanzierungsinstrumente wirtschaftlich und rechtlich eine Zwischenstellung ein: Sie verbinden die Vorteile von Fremd- und Eigenkapital.

In einer Mezzanine-Finanzierung erhält ein Unternehmen über ein Darlehen oder eine Beteiligung von einem Dritten bilanzielles oder wirtschaftliches Eigenkapital – dafür muss es aber keinerlei Einflussnahme- und Stimmrechte oder Residualansprüche an den Kapitalgeber abgeben.

Vor- und Nachteile einer Mezzanine-Finanzierung

Hier liegt auch der zentrale Vorteil einer Mezzanine-Finanzierung: Die Eigenkapitalbasis wird gestärkt, ohne dass die Gesellschafterverhältnisse des Unternehmens angetastet werden. Der Unternehmer bleibt „Herr im Haus“.

Die Stärkung der Eigenkapitalausstattung verbessert zugleich das Rating und damit die Kreditspielräume eines Unternehmens, sodass es noch günstiger zusätzliches Fremdkapital aufnehmen kann.

Die bilanzielle Zurechnung des Mezzanine-Kapitals zum Eigenkapital beruht auf Nachrangigkeit und Langfristigkeit: Es wird mindestens für fünf Jahre zur Verfügung gestellt und im Insolvenzfall erst nach den Forderungen sonstiger Gläubiger bedient. Je nach Ausgestaltung kann Mezzanine-Kapital steuerrechtlich zugleich als Fremdkapital behandelt werden: Ausschüttungen an Kapitalgeber beziehungsweise Zinszahlungen an die kreditgebende Bank dürfen steuerlich als Betriebsaufwand geltend gemacht werden.

Dies ist ein weiterer Vorteil: Die Modalitäten der Kapitalerhöhung können ganz an den Bedarf des Unternehmens angepasst werden. In Bezug auf die wirtschaftliche, bilanzielle und steuerrechtliche Behandlung kann ein- und dieselbe Kapitaleingabe zugleich als Eigen- und als Fremdkapital gewertet werden. Hierbei sind auch verschiedene Darreichungsformen wie Genussrechte, stille Beteiligungen und verschiedene Anleihe- und Darlehensvarianten möglich.

Die Nachteile der Mezzanine-Finanzierungen resultieren aus dem erhöhten Risiko auf Seiten der Kapitalgeber. Sie gleichen Nachrangigkeit ihrer Kapitaleingaben, fehlendes Stimmrecht und ausbleibende Sicherheiten durch verschiedene Maßnahmen aus.

Hierzu zählen eine hohe Verzinsung, eine kritische Prüfung des Kapitalempfängers und optional eine Vereinbarung über die Teilhabe am Unternehmenserfolg. Solche Equity Kicker beinhalten meist Kaufoptionen auf Unternehmensanteile oder die Möglichkeit, das Mezzanine-Kapital in Eigenkapital umzuwandeln.

Förderlandschaft in Bewegung: Mezzanine-Kapital für Mittelstand, KMU und Gründer

Mezzanine-Kapital kann nur in den wenigsten Fällen die Kosten eines Investitions- oder Expansionsvorhabens direkt abbilden. Es stellt keinen Ersatz für die Aufnahme von Fremdkapital dar, sondern soll diese in einem größeren Rahmen ermöglichen. Unternehmer brauchen daher klare Zielvorstellungen, wie die Finanzspritze eingesetzt werden soll.

Solche Mischfinanzierungen werden oft für Unternehmensaufkäufe, Managements Buy-outs oder Wachstumsvorhaben mit großem Kapitalbedarf und hohen Renditeerwartungen eingesetzt. Klassisch vergeben Private-Equity-Gesellschaften daher meist nur größere Volumina, insbesondere an leistungsstarke, innovative Unternehmen. Allerdings gewinnen die Mezzanine-Finanzierungen auch in der Förderlandschaft zunehmend an Bedeutung.

Angesichts der Kreditklemme deutscher Unternehmen ist der Bedarf an Mezzanine-Kapital riesig. Die Reaktion der maßgeblichen Akteure aus Politik und Finanzwirtschaft war die Auflegung des Mezzanin- Dachfonds für Deutschland. Dank eines Gesamtvolumens von nunmehr 600 Mio. € ist der wichtige Mezzanine-Markt in der Förderlandschaft wieder in Bewegung. Der Fonds setzt sich aus den Eingaben des Bundeswirtschaftsministeriums, der NRW.BANK, der LfA Förderbank Bayern und des Europäischen Investitionsfonds (EIF) zusammen und ist dem Mandat des EIFs anvertraut.

So ist mittlerweile eine Reihe von Programmen etabliert, die von Bund, Ländern, Kommunen und der Europäischen Union bereitgestellt werden. In diesem Netz werden auch die Fördernischen von KMU, Gründern und Startups mit kleineren Volumina zwischen 250.000 bis etwa 500.000 € oder Mikro-Finanzierungen bis 50.000 € bedient.

Hierzu zählen etwa die KfW-Programme „ERP-Kapital für Gründung“ (Nachrangdarlehen bis zu 500.000 € für Gründung, Wachstumsvorhaben, Erweiterungsinvestition oder Unternehmensnachfolge) und „ERP-Mezzanine für Innovation“ (ab 25.000 bis 5 Mio. € für Innovationsvorhaben).

Weitere Mezzanine-Förderprogramme finden sich außerdem in den Angeboten der LFA Förderbank Bayern, der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) sowie der Investitionsbanken in Brandenburg (ILB), Sachsen-Anhalt (IB) und Berlin (IBB).

Die Innovationsförderung der Europäischen Union im Rahmen des Programms „Horizont 2020“ und die Angebote der mittelständischen Beteiligungsgesellschaften der Bundesländer geben weitere Beispiele für Mezzanine-Förderprodukte. Hervorzuheben ist die bundesweite Möglichkeit, den Mikromezzaninfonds Deutschland über die Beteiligungsgesellschaften abzurufen. Kleinen Unternehmen, Start-Ups und Gründern wird hier frisches Eigenkapital bis zu 50.000 € bei einer Laufzeit von 10 Jahren zur Verfügung gestellt.

Quellen

Interviews

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