Know-how - Die 12 häufigsten Fehler bei der Unternehmensfinanzierung (#7 von 12)

Liquiditäts- und Finanzplanung ist ein Geschäft, das mit Weitblick gepflegt sein will. Trotzdem werfen viele Unternehmer erst dann einen realistischen Blick auf ihre Strategien, wenn es bereits zu spät ist: unter dem Druck äußerer Umstände. Bald darauf gehen bei den entsprechenden Banken dringende Kreditanfragen ein. Ist das ein gangbarer Weg oder sollten Unternehmer grundlegend anders mit Finanzierungsnöten umgehen?

Ein Sparschwein gerät in Seenot und droht unterzugehen.
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Notanfragen machen die Abstimmung eines Überziehungskredits schwierig.

Kreditanfrage in der Not

Es scheint keine andere Möglichkeit zu geben: Der Zahlungstermin verstreicht, das Konto ist nicht ausreichend gedeckt –  warum also nicht in der Bank anrufen und um eine neue Finanzierung bitten? Sieht der Mitarbeiter erst ein, wie dringend die Lage ist, wird er seinen Klienten schon nicht fallen lassen. Was hat der Unternehmer in so einer Situation zu verlieren?

Eine ganze Menge. Geben Unternehmer ihren Druck ungefiltert an den Banker weiter, beeinträchtigt dies nicht nur das persönliche Verhältnis. Vielmehr wird der Mitarbeiter auch an den Managementfähigkeiten des Klienten zweifeln und in seiner Entscheidungsfindung eher zuungunsten des Unternehmers beeinflusst.

Typische Notlagen bei der Finanzierung

Kaum zu glauben: Obwohl Unternehmen aus den verschiedensten Situationen heraus in Notlagen geraten, entstehen die typischen Finanzierungsengpässe meist rund um klassische Zahlungstermine. Der 27., der 1. und der 10. Kalendertag eines Monats sind solche Daten.

Am 27. eines Monats, oder genauer, am drittletzten Bankarbeitstag eines laufenden Monats, sind die Gesamtsozialversicherungsbeträge fällig. Hierbei müssen nicht nur mögliche Transaktionsverzögerungen durch die Banken, sondern auch die rechtzeitige Abgabe des Beitragsnachweises 2 Tage zuvor beachtet werden. Gehen die Sozialversicherungsbeträge nicht fristgerecht bei den Krankenkassen ein, drohen dem Unternehmen Säumniszuschläge von 1 % des fälligen Betrags pro begonnenem Monat seit dem Stichtag.

Selbst der 1. Kalendertag eines Monats gerät mancher Finanzplanung, sei es aus Überanstrengung, sei es aus Ignoranz, leicht aus dem Blick. Rund um dieses Datum stehen die Gehaltsüberweisungen an die Mitarbeiter an.

Ein weiteres, wiederkehrendes Zahlungsdatum, das viele Unternehmen leicht übersehen, ist der 10. Kalendertag nach einem Monatsquartal. Dieser Termin ist in der Regel beim Finanzamt der Stichtag für die Umsatzsteuervoranmeldung der vorherigen Monate und die entsprechenden Zahlungseingänge.

Ein Rettungsring liegt auf einem blauen Hintergrund.
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Bedingungen für die Hilfe von der Bank: Umsichtige Informationspolitik.

Spielräume der Bank

All diese Zahlungstermine kommen immer so überraschend wie Weihnachten — erst kurz vor Fristende finden sie auf dem Schreibtisch vieler Unternehmer die nötige Aufmerksamkeit. Und meist ist dann bereits klar, dass Ausflüchte über Erkrankungen oder technische Probleme allenfalls einen kleinen Zeitgewinn bedeuten, grundsätzliche Finanzierungsprobleme aber nicht lösen.

Der Kontakt zur Bank ist jetzt naheliegend. Schließlich können Banker kurzfristig ein Kontokorrentkonto einführen oder den Rahmen eines bestehenden Kontokorrentkredits für eine Dauer von meist 6 Wochen erhöhen. Es gilt das Vier-Augen-Prinzip: Die Anhebung kann ohne weitere interne Prüfung gewährt werden. Bis zu welcher Höhe der Überziehungsrahmen ausgedehnt werden kann, ist bankintern geregelt und unterscheidet sich von Kreditinstut zu Kreditinstitut.

Folgen von Kreditüberziehung und Notanfragen

Einer auch in Zukunft gedeihlichen Zusammenarbeit ist es ganz und gar abträglich, wenn der Unternehmer die Bank erst in einer Notlage informiert und damit unter Druck setzt. Aussagen wie, „ohne die Hilfe der Bank komme es zum großen Kladderadatsch“, erzeugen Unmut, lassen Vertrauen schwinden, befeuern die Skepsis gegenüber den unternehmerischen Fertigkeiten des Klienten und verbessern mit Sicherheit nicht das Rating.

Schließlich sind die Banken keinesfalls dazu verpflichtet, Überziehungen des vertraglich vereinbarten Rahmens stattzugeben. In einer dermaßen aufgeheizten Gesprächssituation wird es umso schwieriger, eine Einigung zu erzielen. Viele Unternehmen geraten dann schnell in Schwierigkeiten.

Noch unvorteilhafter ist das Wagnis, die Bank überhaupt nicht zu unterrichten. Sicherlich, viele Banken tolerieren ein solches Verhalten ihrer Klienten und gewähren stillschweigend einen Überziehungskredit, aber nicht in jedem Fall und schon gar nicht unbegrenzt. Saftige Überziehungszinsen erscheinen hier noch als die geringste Sorge. Anhaltende oder mehrfach auftretende Überziehungen können sogar zur Kündigung des Kontos und der Auszahlung der ausstehenden Beträge führen.

Von größerer Tragweite ist auch, dass Banken jede nicht abgesprochene Überziehung automatisch erfassen und negativ im Rating vermerken. Schlechtere Konditionen und geringere Kreditlinien sind die Folge. Das gilt auch im Falle eines Bankwechsels oder für die Eröffnung eines Zweitkontos bei einem anderen Kreditinstitut: Aufgrund der Bankauskunft wird der neue Finanzierungspartner über die Häufigkeit von Rücklastschriften des Klienten informiert.

Richtiger Umgang mit drohendem Kreditüberzug

Wollen Unternehmer solche Finanzierungsrisiken abwenden, sollten sie auf unbedingte Transparenz gegenüber ihrer Bank setzen. Engpässe und drohende Überziehung muss der Unternehmer frühzeitig, nicht erst in der Not, mitteilen.

Im Gespräch kann die drohende Überziehung mit der Bank abgestimmt und genehmigt werden. Hierzu gilt es Aufklärungsarbeit zu leisten: Welche Geldeingänge, Mehrbelastungen und Zahlungsausfälle hat das Unternehmen noch bis zum Stichtag zu erwarten? Mit diesen Informationen unterstreicht der Unternehmer, dass sein Kreditbedarf nur temporär und nicht von Dauer ist.

Eine der ersten Fragen des Bankers wird auf die Eile des Kreditbedarfs abzielen. Vorteilhaft ist daher, dass der Unternehmer die Situation mit großem Vorlauf zu einer drohenden Kreditüberziehung schildert. Mit solcher Initiative demonstriert der Unternehmer seiner Bank Weitblick und Umsichtigkeit. Kommt es zu einer Einigung, gewährt die Bank einen Überziehungskredit, der ohne negative Folgewirkungen in Anspruch genommen werden kann.

Sobald sich aber abzeichnet, dass der sechswöchige Kredit nicht ausreicht, um die angespannte Situation zu heilen, sollte der Unternehmer sich umgehend mit seiner Bank in Verbindung setzen und besprechen, ob die Erweiterung des Kontokorrentrahmens auch dauerhaft einzurichten ist.

Unter Umständen reagiert die Bank auch aufgeschlossen auf plötzliche Anfragen nach einem Überziehungskredit. Das gilt etwa, wenn Betriebsmittel für größere Aufträge fehlen, die über Kontokorrent finanziert werden sollen. In diesem Fall könnte die Bank eine positive wirtschaftliche Entwicklung unterstützen und von der raschen Rückzahlung im Anschluss an die Auftragsabarbeitung ausgehen.

Solche Situationen sind jedoch die Ausnahme. In der Mehrheit der Fälle kann der Unternehmer drohende Finanzierungsprobleme zu den üblichen Terminen absehen und im Vorfeld die Modalitäten der Überziehung mit seiner Bank klären.

Fazit: Eine rechtzeitige Finanzierung erspart Stress und hohe Kosten. Je nach individueller Situation kann hierbei der Rückgriff auf öffentliche Mittel entscheidende Vorteile bringen.

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